Das Passivhaus: Fenster kippen ist passé

Der Begriff "Passivhaus" kommt im Zusammenhang mit knapper und teurer werdender Energie häufig vor. Er steht für einen genau definierten Gebäudetyp nach der Energiesparverordnung (EnEV) und bezeichnet ein Haus, dessen Heizwärmebedarf 15 KW je Quadratmeter Wohnfläche pro Jahr nicht überschreiten darf. Dieser geringe Wert wird durch unterschiedliche Methoden erreicht.

Ein Passivhaus hat eine extrem effiziente Wärmedämmung

Die erste Methode ist die, dass ein Passivhaus durch seine extrem effiziente Wärmedämmung fast vollständig ohne Heizung auskommt. Die Heizleistung wird zum größten Teil durch die Wärmerückgewinnung von Personen und technischen Geräten erreicht, also passiv im Gegensatz zur aktiven Verbrennung, die in einem Heizkessel stattfindet. Auch die Wärme durch Sonneneinstrahlung an den Fenstern wird genutzt und auf eine optimale Ausrichtung von Neubauten nach Süden wird geachtet.

Die zweite Methode der energetischen Effizienz ist die sehr gute Dämmung des Hauses, sowohl gegen Auskühlung im Winter als auch gegen eine zu starke Aufheizung im Sommer. Moderne und hochwertige Dämmmaterialien und Fensterscheiben sorgen dafür, dass so gut wie keine Wärme über Außenwände, Fenster, Dächer und Fußböden verloren geht. Die Fenster werden sogar umgekehrt genutzt: Statt dass sie Wärme verlieren, fangen spezielle Wärmeschutzverglasungen die Sonnenwärme ein und führen sie der Rückgewinnung zu.

PassivhausDurch eine extrem effiziente Wärmedämmung kommt ein Passivhaus fast vollständig ohne Heizung aus.© mirpic / Fotolia.com

Passivhäuser haben ein Lüftungssystem

Eine dritte Strategie des Passivhauses ist das automatische Lüftungssystem. In einem Passivhaus wird nicht auf klassische Weise mit gekippten oder ganz geöffneten Fenstern gelüftet, wobei stets viel Wärme verloren geht. Die Fenster bleiben geschlossen, und eine automatische Lüftung sorgt Tag und Nacht für einen kontrollierten Luftaustausch. Das System arbeitet unmerklich und lautlos und gewährt eine viel zuverlässigere Lüftung - ohne Wärmeverlust - als das Öffnen der Fenster.

Bei langen Kälteperioden kann es vorkommen, dass auch ein Passivhaus ein gewisses Maß an zusätzlicher Heizenergie benötigt. In diesem Fall kann eine konventionelle Heizungsanlage zugeschaltet werden oder aber man entscheidet sich für die Nutzung von Erdwärme.

Im Alltag zeichnet sich ein Passivhaus dadurch aus, dass alle Räume dieselbe Temperatur aufweisen und es keine kalten Räume oder Wände gibt. Das sorgt für eine durchgängig behagliche Atmosphäre und verhindert gleichzeitig die Bildung von Kondenswasser an einzelnen Wänden.

Jedes bestehende Haus kann zum Passivhaus werden

Die Beheizung nach dem Passivhaus-Prinzip ist nicht auf Neubauten oder bestimmte Gebäudetypen beschränkt. Jedes bestehende Haus kann durch eine energetische Sanierung zum Passivhaus werden. Dafür existieren Fördermöglichkeiten: bundesweit durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und auf Landesebene durch regionale Förderprogramme. Es ist ratsam sich auf diesem Gebiet umfassend zu informieren, denn wenn auch die Energiekosten des Passivhauses sehr gering sind, so stehen ihnen zunächst höhere Baukosten als beim konventionellen Hausbau gegenüber.